Menü

Der Kompass in der Psychotherapie: Wie Emotionen uns den Weg zu unseren Werten weisen

Oftmals sind unangenehme Emotionen, die entgegen der Erwartung von Patient:innen einfach nicht verschwinden, Faktoren für den Beginn einer Psychotherapie (nach dem Heilpraktikergesetz) in meiner Privatpraxis in Hildesheim. Ein Bild, welches ich gerne nutze, ist, dass unsere Emotionen grundsätzlich unseren inneren Kompass darstellen, der durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, z.B. durch unsere Biografie und Meta-Emotionen, also wie unsere Einstellung zu Emotionen ist.

Ignorieren und Unterdrücken von Emotionen kann auf lange Sicht zu psychischen Gesundheitsproblemen führen. Dass wir die unangenehmen nicht fühlen wollen, ist gleichzeitig zutiefst menschlich. Egal ob angenehm oder unangenehm – tief im Inneren sind Emotionen wertvolle Hinweise auf das, was uns wirklich wichtig ist – unsere Werte und Bedürfnisse.

Sowohl in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) als auch der Emotionsfokussierten Therapie (EFT) lernen wir, diesen inneren Kompass besser zu verstehen. Anstatt gegen unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut anzukämpfen, lernen wir, sie wahrzunehmen und ihre Botschaft zu entschlüsseln.

Nehmen wir zum Beispiel die Wut. Sie kann sich unangenehm anfühlen, aber weist uns darauf oft hin, dass eine unserer Grenzen überschritten wurde, z.B. unsere körperliche Unversehrtheit oder unser Wunsch nach Respekt und Gerechtigkeit. Wenn wir die Wut ignorieren, übergehen wir möglicherweise auch das zugrunde liegende Bedürfnis. Wenn wir uns der Wut jedoch achtsam zuwenden, können wir erkennen, was uns wichtig ist und schauen, wie wir diese Werte in unserem Handeln umsetzen können.

Auch die Angst hat eine wichtige Funktion. Sie kann uns vor potenziellen Gefahren warnen und uns dazu bringen, uns zu schützen. Hier kann wieder sehr wichtig sein, welche Erfahrungen wir in unserer Biografie gesammelt haben. Wenn wir ständig Angst vermeiden, schränken wir möglicherweise unser Leben ein und verpassen wertvolle Erfahrungen. In der ACT lernen wir, die Angst als ein Gefühl anzuerkennen, das da ist, aber uns nicht davon abhalten muss, unsere Werte zu leben – sei es der Wunsch nach Nähe, Abenteuer oder persönlichem Wachstum.

Trauer wiederum ist oft ein Zeichen für Verlust und die Verbundenheit mit dem, was wir verloren haben. Sie erinnert uns an das, was uns wichtig war und ist. Wenn wir der Trauer ihren Raum geben, können wir den Verlust auf eine gesunde Weise verarbeiten und uns gleichzeitig an den Werten orientieren.

Die ACT und die EFT ermutigen uns, eine offene und annehmende Haltung gegenüber allen Emotionen zu entwickeln – den angenehmen und den unangenehmen. Denn sie alle tragen wertvolle Informationen in sich. Indem wir lernen, auf diesen inneren Kompass zu hören, können wir unser Handeln bewusster an unseren Werten ausrichten und ein erfüllteres Leben führen.

Ihre Emotionen sind – auch wenn es gerade in einer Krise nicht so scheinen mag – ein wertvolle Wegweiser zu Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Nehmen Sie sich gelegentlich einen Moment Zeit und spüren Sie nach: Wie fühlt sich das gerade an? Was möchte diese Emotion für mich erreichen, wenn sie mir grundsätzlich helfen möchte? Was ist mir demnach sehr wichtig im Moment?